Gemeindechronik

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Evangelische Kirchengemeinde Gau-Algesheim

 

 

Gemeinde Chronik

Zur evangelischen Gemeinde gehören Gau-Algesheim und Ockenheim; in Gau-Algesheim wohnen ca. 1600, in Ockenheim ca.350 Gemeindeglieder.

Geschichte der evangelischen Gemeinde

 Gehen wir zuerst  in evangelische graue Vorzeit zurück, nämlich in das Jahr 1520. Damals kam Johannes Bernardi, später der "Algesheimer" genannt, Pfarrer in Mainz, nach Gau-Algesheim als Prediger der Reformation. Der damalige Erzbischof von Mainz Kurfürst Albrecht von Brandenburg war zunächst den reformatorischen Gedanken gegenüber sehr tolerant, machte dann aber eine Kehrtwendung, weil er soziale Unruhen im Zusammenhang mit der neuen Lehre - wir denken dabei an ein erstarktes Selbstbewusstsein der niederen Stände  - befürchtete.

Die kurze evangelische Periode endete also schon im Jahr 1524 mit der Einkerkerung Bernardis in Mainz. Er hatte Glück, wurde nach einem Jahr entlassen und predigte später in Frankfurt, Ulm und Herborn. Und nach der Regel: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing! war Gau-Algesheim wieder katholisch.

 Das nächste evangelische Gastspiel fand von 1633 bis 1636 im dreißigjährigen Krieg statt. Die Schweden verjagten den katholischen Pfarrer Neuholz, ersetzten ihn durch einen, für uns namenlosen lutherischen Prädikanten  und für die folgenden drei Jahre fanden in der katholischen Pfarrkirche wieder nur schwedisch-lutherische Gottesdienste statt.

 Lange Zeit ist nichts Besonderes über Evangelische in Gau-Algesheim zu berichten, es sei denn - man hält die Taufe von Kindern zugezogener Evangelischer durch den katholischen Pfarrer für bemerkenswert.

Die wenigen Protestanten in unserem Städtchen gehörten ab 1824 zur Gemeinde Nieder-Ingelheim, dann bis 1906 zur Pfarrei Appenheim.

 Eine gewisse Sonderstellung nahmen die Laurenziberger Unierten ein, sie gehörten kirchenrechtlich zu Appenhein und hatten sogar einen eigenen kleinen Friedhof, die Katholiken wurden damals in Gau-Algesheim beerdigt. Heute ruhen die Laurenziberger Christen zum Glück in Eintracht beieinander.

 1906 fasste man die inzwischen 250 evangelischen Gau-Algesheimer zu einer eigenen Gemeinde im Filialverhältnis zu Bingen zusammen (die Errichtung der Eisenbahn hatte unter anderem für Zuzug gesorgt) und am 11. November 1906 fand der erste, neuzeitliche evangelische Gottesdienst im Tanzsaal des Hotels Kaiser in der Langgasse statt. Der katholische Pfarrer (Hensel) hatte als zuständiger Schulverwalter die Überlassung eines Schulsaales ohne Begründung abgelehnt. Sie sehen, das Zusammenleben war nicht immer ungetrübt!

Aber das Großherzogliche Oberkonsistorium stiftete eine wunderschöne Bibel zu dem denkwürdigen Ereignis. 1911 wurde ein Kirchbauverein gegründet, ab 1912 konnte man dann in einen Saal der alten Schule umziehen, der nur als gottesdienstliche Stätte diente.

 1959 wurde die Gemeinde Ingelheim-Freiweinheim zugeschlagen. Bekannte Namen der Seelsorger in Gau-Algesheim waren unter anderem Pfr. Germer, Pfr. Heymann und der spätere Propst Helmut Kern.

 Unaufhaltsam ging es mit den Mitgliederzahlen aufwärts.

 Am 1. Juni 1964 wurde unsere Gemeinde Pfarrvikariat, außerdem kamen die evangelischen Laurenziberger zu Gau-Algesheim. Ebenso ist zu erwähnen, dass die Ockenheimer Protestanten nun zum neu errichteten Pfarrvikariat  zählen. Die Bestellung einer Frau - der Pfarrvikarin Wurm - in dieser Zeit war sicher für alle Gau-Algesheimer sehr gewöhnungsbedürftig. Sie blieb 5 Jahre und setzte sich neben ihren seelsorgerischen Pflichten sehr für einen Pfarrhausbau ein.

Seit 1972 ist die evangelische Gemeinde Gau-Algesheim nun eine selbständige Pfarrei. Erster Amtsinhaber war von 1971-1980 Pfarrer Theo Hauff.

Pfarrer Karl Scheld, uns allen in gutem Gedächtnis, wirkte hier von 1982 bis 2002.

Seit 2003 ist Ursula Hassinger Pfarrerin hier.

 Geschichte der Kirche und des Gemeindehauses

 Der Wunsch nach einer eigenen Kirche entstand schon bald nach Gründung der Gemeinde durch die unbefriedigenden Verhältnisse im Hotel Kaiser. Der Kirchbauverein, bekanntlich 1911 gegründet, hatte ein Grundstück gekauft -  wo heute Langgasse, Ockenheimer Straße und Eisenbahnüberführung zusammentreffen - und Spenden gesammelt. Im 1. Weltkrieg verschwanden die Pläne aus wirt-schaftlichen Gründen jedoch wieder in der Versenkung.

In den Zwanziger Jahren verkaufte man das Grundstück an die Bahn und erwarb ein neues in der Schulstraße. Die Grundlagen für den Kirchbau waren geschaffen. Der Gustav-Adolf-Verein sagte eine Finanzierung von 75 % für das Bauvorhaben zu.

Es sei erwähnt, dass die Kath. Kirche zu dieser Zeit seit 38 Jahren in der heutigen Form stand, die Volksschule 17 Jahre alt war.

So war also am 13.8.1926 der erste Spatenstich, die Grundsteinlegung erfolgte am 29. August 1926. In der eingemauerten Urkunde,  wird als Jahr des ersten evangelischen Gottesdienstes  der 11. November 1896 angegeben. Da Sie ja alle vorher aufmerksam gelesen haben, ist Ihnen klar, dass auch Urkunden täuschen können, denn dieser Gottesdienst hat bekanntlich am 11. November 1906 stattgefunden.

Nach den Plänen von Kirchenbaurat Prof. Walbe ist unser Kirchlein also gebaut worden, in den Chroniken wird ihm Weitblick zugesagt, weil er größer als damals nötig, nämlich für 300 Menschen, plante. Die Orgel stammte von der Licher Werkstatt Förster und Nicolaus und entsprach dem spätromantischen Klangideal (Grundtönigkeit + Farbenreichtum der Register). Die drei Glocken in den Tönen a, cis, e waren abgestimmt auf das katholische Geläut - der katholische Pfarrer Rudolf hatte darum gebeten. Er sah darin eine symbolische Bedeutung für die Harmonie zwischen den beiden Gemeinden. Und so können wir noch heute den Zusammenklang der Gau-Algesheimer Kirchenglocken genießen. Die größte Glocke war Spende der Gemeinde Bingen, die zweite des Kirchenvorsteher Philipp Huff nebst Gattin und für die letzte hatte die gesamten Einwohnerschaft Gau-Algesheims gespendet. Die gesamten Kosten für die Kirche betrugen 63 Tsd. Reichsmark.

Die Evangelische Gustav-Adolf-Kirche wurde nach 9 Monaten Bauzeit am 22. Mai 1927 geweiht - unter großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung und vieler Auswärtigen - man spricht von 5000 Menschen. In der von Hindenburg zu Einweihung gestifteten Bibel finden wir den Hinweis, dass christliche Gesinnung, brüderliche Eintracht und vaterländisches  Empfinden die Gemeinde allezeit beseelen und leiten möge. Das Altarkreuz wurde von den katholischen Mitbürgern Margarete Hessel und Johann Haupt gestiftet. Der Spruch über Portal lautet: Heilig, Heilig ist der Herre Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll.

Der in Gau-Algesheim hoch geschätzte Pfarrer Rudolf hatte entgegen dem Einspruch seines Studienfreundes, des Mainzer Generalvikar Dr. Mayer durchgesetzt, dass die katholische Kirchenmusik bei der Einweihung spielte. 23 Jahre später, bei seinem 40. Pfarrerjubiläum, bedankt er sich dann im Gegenzug  bei unserer evangelischen Gemeinde für die innige Teilnahme an diesem Fest.

Nach der Feier - so wird berichtet - trieben heftige Regenschauer die Menschen in die umliegenden Wirtshäuser!

1952 beging die Gemeinde das 25-jährige Bestehen ihrer Kirche. Man nahm die Gelegenheit wahr, den Gemeindesaal zu renovieren, er befand sich auf der heutigen Empore und war mit einer Trennwand von der Kirche getrennt.

Nachdem im 2. Weltkrieg zu Kriegszwecken - wie in allen Gemeinden - Glocken abgegeben werden mussten, blieb uns nur die kleinste der drei, auch nach Kriegsende blieben die vermissten zwei im Gegensatz zu den katholischen Glocken verschollen.

So wünschte man sich nach und nach inständig ein vollständiges Geläut.

Um wieder das harmonisch aufeinander abgestimmte Läuten der Gau-Algesheimer Glocken hören zu können, beschlossen die Verantwortlichen der evangelischen Gemeinde die Anschaffung neuer Glocken, die noch vorhandene kleine Glocke musste eingeschmolzen und umgegossen werden. Mit Genehmigung der Bezirksregierung sammelten führende Mitglieder der Gemeinde eine Woche lang in allen Familien Geld für die neuen Glocken. Die Chronik zitiert einen Aufruf: Es darf erwartet werden, dass diese Sammlung aus einem gesunden Lokalpatriotismus heraus überall lebhaftes Interesse findet.

Die neuen Glocken waren dem Glauben, der Liebe und dem Gebet gewidmet: 300 kg - h - Glauben: Oh Land, Land, Land höre des Herrn Wort. Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht; 200 kg - d - Liebe: Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm; 140 kg - e - Gebet: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig im Trübsal, haltet an am Gebet - kosteten insgesamt 8.000 DM.

 Und so feierten am 2. Februar 1958 wieder alle Gau-Algesheimer ein riesiges Fest, zuerst auf dem Marktplatz und dann in der Gustav-Adolf-Kirche. Geistlicher Rat Krämer sprach damals von einem Festtag für beide Pfarrfamilien!

Ökumene wird durch die Feierfreudigkeit der hiesigen Bevölkerung mehr gefördert als durch die Kirchenleitungen!

Im April 1958 wurde die Kirche renoviert, wir hören von hellen, freundlichen Farben und Holzverkleidungen. Eine neue "Heldengedenktafel" erinnerte jetzt an die Opfer beider Weltkriege.

 Nun hatte man eine schöne Kirche, ein vollständiges Geläut, da kommt dann immer der nächste Wunsch auf: ein Gemeindehaus muss her! Außerdem wurde schon lange nicht mehr gefeiert!

Grundsteinlegung war im Juli 1975 wie üblich unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Und es beteiligten sich auch Stadt, Fraktionen und Kreis mit Geldspenden für das insgesamt 415 Tsd. DM teure Vorhaben.

Katholiken aus Gau-Algesheim und Ockenheim stifteten ein schönes Holzkruzifix, das im Treppenaufgang hängt.

Die Einweihung wurde am 15.Mai 1977 mit einem Gottesdienst gefeiert, die kath. Kirchenmusik spielte, die Kollekte ging zur Hälfte an die katholische Missionsschwester Ellingera und zur Hälfte an die evangelische Communität Casteller Ring. Mittags fand noch ein ökumenischer Gottesdienst statt und dann traf sich ganz Gau-Algesheim rund um das neue Gemeindehaus.

Damit war sicher auch der Grundstock für das von Pfarrer Scheld 1983 initiierte Gemeindefest gelegt, seither eine feste Größe im Jahresablauf der Gau-Algesheimer!  

Im Jahr 1988 stand der Gemeinde eine große Aufgabe bevor: die Kirche musste renoviert und umgebaut werden. Trotz heftiger Auseinandersetzungen mit der Denkmalpflege wurde die Kirche neu gestaltet, um den Gottesdiensten mehr Möglichkeiten zu eröffnen. Unter vier Farbschichten entdeckte man das Spruchband aus der Apostelgeschichte2,42 an der Decke - die Originalfarbe wurde dann beim Neuanstrich wieder verwandt. Freiwillige Helfer beider Konfessionen bauten die Bänke ab, stellten Stühle auf, Teile des Chorgestühls wurden entfernt. Pfarrer Hellriegel baute für seine Kirche die Orgel ab, heute tut sie ihren Dienst in der kath. Kirche von Kelsterbach. Die Altarstufen wurden einen Meter nach hinten verlegt. Bei dem ehemaligen Gemeindesaal wurde die Trennwand entfernt, dadurch eine großzügige Empore geschaffen. Insgesamt bietet die Kirche heute 190 Plätze, die leider nur an Weihnachten und bei Ordinationen nicht ausreichen!  (Kosten 275 Tsd. DM)

Die feierliche Einweihung der gelungenen Arbeit war am 4. Advent 1988.

Seit  November 1989 erleichtert ein behindertengerechter Zugang Rollstuhlfahrern den Zutritt zur Kirche.

Einen Monat später, im Dezember 1989 - ein Jahr ohne Orgel! - konnte dann die neue Oberlinger Pfeifenorgel eingeweiht werden. Der Kirchenvorstand hatte sich zum Glück nicht für ein elektronisches Instrument entschieden, obwohl wir über die Kosten für die regelmäßige Wartung und Pflege manchmal stöhnen.

1995 bestellten wir in einem Frauenausbildungszentrum in Südindien  neue Antipendien.

2002 stand wieder ein großes Jubiläum ins Haus, bzw. in die Kirche, 75 Jahre Kirchweih und 25 Jahre Gemeindehaus.

Der Wunsch nach schöneren Kirchenfenstern war schon lange da, der Umweltgedanke gerade auch im Zusammenhang mit der Dankbarkeit bei einem Jubiläum ausgeprägt.

Also fand eine Sammlung für die Fenster statt, wer wollte, konnte aber auch für die geplante Fotovoltaikanlage auf dem Gemeindehausdach spenden.

 Damaris Wurmdobler, eine anerkannte Künstlerin schuf die Fenster zum Thema Schöpfung "Vom Dunkel zum Licht" und brachte zu jedem Entwurf ihre bemerkenswerten theologischen Gedanken zu Papier. Die Denkschrift ist noch zu erhalten!

 Freiwillige Helfer aller Konfession - das kennen wir schon - halfen die Anlage auf dem Gemeindehausdach zu installieren.

 Zur akademischen Feier im seit einiger Zeit neu gestalteten Schloss Ardeck kamen wieder viele sich  unserer Gemeinde verbunden Fühlende zu einer würdigen Veranstaltung. Dekanatskantor Lenz setzte mit einem Projektchor beschwingte Akzente.

 Überlegungen, wie man dieses Jubiläum mit einem unterhaltsamen Knaller für ganz Gau-Algesheim fröhlich gestalten könne, mündeten im 1. Gau-Algesheimer Kirchenbarett. Hans Erbes konnte das bekannte  "1. Babenhäuser Pfarrerkabarett" gewinnen.

 

 

 

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